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19. November 2008 - 22:25

Wie man 50000 Wörter in einem Monat schreibt

Wie Scot W. Stevenson in seinem Beitrag zur Völkerverständigung, also seinem Blog “USA Erklärt” berichtet, gibt es einen Wettbewerb Namens NaNoWriMo, der alle Menschen dazu aufruft, innerhalb eines Monats (im Monat November, um genau zu sein )  einen Roman mit wenigstens 50000 Wörtern zu schreiben.

Interessant an diesem Wettbewerb ist, dass unglaublich viele Leute mitmachen und anscheinend niemand befürchtet, seine schriftstellerischen Fähigkeiten könnten nicht genügen. Offensichtlich ist da jemand in der Lage, Menschen die Angst vor dem leeren Blatt zu nehmen und ein bisschen Mut zur selbst fabulierten Geschichte zu geben. Methode: kein Inhalt wird kritisiert oder bewertet – es werden sogar Tipps gegeben, wie man einen Roman gänzlich ohne Ideen schreiben kann…

Dieser Wettbewerb ist, wie so oft, eine Idee die eine eigenartige Historie hat und sich mit der Zeit verselbständigte. Die Teilnehmerzahl stieg von1999 bis 2007 von 21 auf  erstaunliche 101510 Teilenehmer an. Diese Zahlen sprechen für sich.

Ich habe diese Aktion leider etwas spät entdeckt, denn der November ist nun schon fast vorbei. Allerdings werde ich diesen Wettbewerb zum Anlass nehmen und werde auch mal wieder etwas Prosa zum Besten geben, denn ich habe das Problem, dass mein Fantasie mal wieder überläuft, und bevor ich anfange meine Umwelt völlig grundlos anzulügen, nehme ich mir die 101510 Romanautoren als Vorbild und schreibe lieber eine weitere Geschichte…

Bis auf weiteres
Dirk

 

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26. April 2008 - 09:13

Dinge die man(n) seiner Freundin nicht sagen sollte

“Schatz ich finde es gut, dass du auch etwas pummelig geworden bist…”

Wenn man diesen Satz gesprochen hat, kann man das relativierende “…so muss ich mich mit meinem Bauch wenigstens nicht all zu sehr schämen…” und “…vielleicht könnten wir gemeinsam eine Diät machen…” kaum mehr verstehen…

 

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5. März 2007 - 22:37

Rotkäppchens Schwester V – was bleibt

Ich hatte es tatsächlich geschafft ihn zur Benutzung einer Kinderklappe zu überreden.

Es war einfach, denn die erste durchwachte Nacht – wir taten wegen des schreienden Babys kein Auge zu – tat das ihre. Das Füttern und das anschließende stundenlange Auf- und Abgehen in der kleinen Hütte. Mary über der Schulter (damit sie ihr Bäuerchen machte und kein Bauchweh bekam und nicht noch lauter, öfter und schlimmer schrie), führte bei Lykaon, genau wie bei jedem anderen Menschen auch, zu Augenringen und einer Laune aus einem Brei von verschiedenartigen und unkontrollierbaren Gefühlen.

So wurde meine Überzeugungsarbeit zu etwas so leichtem, wie ein Spaziergang in einem aufgeräumten Wald.

Er sagte schlicht: „Bring das weg!“ und damit war alles gesagt.

Eine neue Erfahrung.

Eine Veränderung im Leben.

Diese war offensichtlich nicht länger gewünscht.

Noch gestern hätte ich nicht gedacht, dass er so leicht zu überreden wäre, aber das Leben ist manchmal überzeugender als jedes weitere Wort.

Als das erledigt war, (ich selbst ging, nach einer Erklärung des Wolfes, in das nächste Dorf und legte Mary vor eine Kirchentür, drückte die Klingel und lief weg), der Wolf etwas ausgeschlafen hatte und somit etwas zugänglicher, besprachen wir das weitere Vorgehen.

Das erforderte vorsichtiges Einfühlen meinerseits. Denn, was ich der geschundenen Wolfsseele nun beibringen wollte, war nicht so leicht zu begreifen. Es dauerte eine lange Weile, bis meine Idee zu ihm durchgedrungen war.

“Ok!” knurrte er, “du meinst also, dass dieser Mick Jagger die moderne Entsprechung eines Gotts ist?”

Ich nickte langsam. “Wenn du das so ausdrücken möchtest.” Gab ich zurück. “Mir ist – wie gesagt -nach unserem Gespräch aufgefallen, dass er – für sein Alter – erstaunlich fit ist und auch sonst alle Kriterien erfüllt, die man dem Gottsein zugrunde legt:

Menschen himmeln ihn an, denken sogar vorm Einschlafen an ihn, sie haben Bilder von ihm in ihren Zimmern hängen. Sie besuchen seine Konzerte und tanzen bis hin zur Ekstase. Es würde mich nicht wundern, wenn einige sogar vor ihm auf die Knie fallen würden, wenn er es nur verlangte. Auch wenn er kein Gott ist, so erfüllte er zumindest die meisten der Kriterien – oder?”

“Hmm”, brummte Lykaon, “ja, da könnte was dran sein, auch wenn ich noch nie von einem Jaggergott gehört habe. Aber, wie hilft mir das weiter? Was habe ich davon?”

“Nun”, sagte ich, langsam, denn ich hatte es schon zu oft erklärt, “diese Rockstars, sie haben nicht nur gemeinsam, dass sie auf eine einfache Art und Weise gewissen Schönheitsidealen entsprechen, dass sie einen ziemlich normale, wenn auch meist recht verbrauchte, Stimme haben und dass sie sich eher wie Tiere benehmen sondern sie sind anscheinend Gottesgleich…” ich wartete bis der Groschen fiel.

“Gut”, grollte er schließlich, “das habe ich verstanden. Du willst, dass ich einer dieser Rockgötter werde. Und, ist das denn so einfach?”

“Tja”, sagte ich und versuchte zu verbergen, dass ich keine Ahnung hatte. Ich hatte, wie wahrscheinlich jeder andere auch, eine wage Vorstellung von Aufnahmestudios, Agenten und Managern, von einer Maschinerie, die seit Elvis nicht, oder kaum mehr zu überblicken war. Die Begabung der “Künstler” konnte sicher nicht Ursache ihres Erfolgs sein. Andrerseits wusste ich nicht, wie viel Anbetung ein Rockstar benötigt, um als Gott zu avancieren, vielleicht waren ja nur ein paar Anhänger von Nöten.

Also die nächste Frage: “Sag einmal, wie viele Gläubige benötigst Du eigentlich? Ich meine, gibt es da eine Untergrenze?”

Er überlegte und sah mich angestrengt an. Grinste dann und brachte wieder ein Bibelzitat: “Wahrlich, ich sage euch auch: Wenn zwei unter euch eins werden auf Erden, worum sie bitten wollen, so soll es ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.1 Na ja”, griente er, das ist zwar etwas aus dem Zusammenhang gerissen, aber im Kern trifft’s schon. Es sind nicht viele Leute notwendig. Sie müssen es nur ehrlich meinen…“ Er grinste boshaft. “Darum sind die ‚Glaubensgemeinschaften’ ja auch versucht, so viele ‚Schäfchen’ wie möglich zu sammeln. Meist findet sich unter 1000 Mitglieder nur zwei, drei die wirklich an ihre Götter glauben.”
„Zwei oder drei“, dachte ich laut, „dann sollte es kein Problem sein einen Gott aus Dir zu machen.“

Wir besprachen das Notwendige.

Es war leicht zu erkennen, dass die Grundvoraussetzungen nicht besser sein konnten. Er war musikalischer als ich dachte: er hatte schon viel Musikunterricht in seinem Leben bekommen – er hatte sogar Mozart kennen gelernt. Seine Ansichten von “Guter Musik” mussten nur noch etwas “hingebogen” werden.

Zudem hatten er ein markantes Äußeres und eine rauchig, bedrohlich und/oder erotisch klingende Stimme. Je nach dem, wie man sie gerade verkaufen wollte.

Der Rest gestaltete sich ebenso einfach. Wir verkauften seinen Vorrat Whiskey, (Immerhin 15 Flaschen und bekamen dafür so viel Startkapital, dass er, wäre er ein “normaler Mensch” sich keine Zukunftssorgen mehr hätte machen müssen. Wir kauften das entsprechende Equipment und suchten ein paar Musiker für die Instrumente. Das war nicht schwer, dann wir konnten Ihnen Essen eine Unterkunft und Alkohol bieten. Dann benötigten wir nur noch ein paar Songs. Ich dachte an so etwas wie “Satisfaction” der Stones.

Es stellte sich heraus, dass ich mich selbst um das “Songschreiben” nicht kümmern musste, denn Lykaon konnte nicht nur singen, seine Fähigkeiten reichten soweit, dass er schon Opern und ganze Konzerte komponierte hatte. Er hatte sogar einige Werke in seinen Kisten, die er, ohne weiteres, so umarbeiten konnte, dass sie dem aktuellen Stand und Anforderungen eines Rockstücks entsprachen.

Schon während der ersten Proben zeigte sich, dass Lykaon ein Naturtalent war: Er hatte den Blues, er rockte und er konnte dermaßen herzerweichend zu singen, dass einem die Nackenhaare zu Berge standen und kleine Schauer den Rücken hinunter liefen.

Nachdem er die ersten Songs einstudiert waren, ging alles Weitere rasend schnell. Ein erstes kleines Konzert in einem Jugendhaus, die Aufnahme davon an ein Label geschickt, die erste CD erstellt – das Stück “Lonely Wolf” war nach ein paar Wochen die Nummer eins in den Deutschen Charts. Man hörte es überall. Seine Konzerte waren bald ausverkauft und (vor allem die Mädchen) quiekten so laut, dass Lykaon fast nicht mehr zu verstehen war.

Er war nun ein Gott, ich – offiziell – seine Managerin und verdiente mir eine goldene Nase. Außerdem bestimmte er mich zu seiner Erbin.

Und er…

…dachte nicht ans Aufhören. Er verpasste den rechtzeitigen Punkt um abzutreten.

Befürchtete ich.

Ich dachte, dass es genau auf dem Höhepunkt seiner Karriere Zeit wäre, sich zu entfernen, einen Schlussstrich zu ziehen.

Doch ich sollte mich irren:

“Sie lieben mich. Das habe ich noch nicht erlebt. Da kann ich sie doch nicht alleinlassen.” Ich erklärte Ihm, zum xten Mal wie die Karriere eines Rockstars verlief und dass er nicht hoffen dürfe, ewig Herden von kreischenden Teenies um sich scharen zu können.

Das er das längst verstanden hatte, wurde mir erst klar, als sein Stern schon fast verglommen war. Als er keine Konzerte mehr geben konnte, weil sie nicht mehr ausverkauft waren und seine CDs kaum mehr über den Ladentisch gingen, nahm er eines Nachts eine Pistole und schoss sich in den Kopf.

Auf den Spiegeln in seiner Suite war mit rotem Lippenstift das Wort “DANKE MEINE LIEBE” geschmiert.

______________
1Matthäus 18, Vers 19,20

 

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22. Januar 2007 - 21:27

Rotkäppchens Schwester IV – was nun?

Irgendwie hatte sich mein Leben in den letzten Tagen auf eine sehr unkontrollierte Art und Weise entwickelt.
Lykaon hatte das Kind aus lauter Herzensgüte – und/oder Dummheit – mitgebracht. Es lag nun auf dem Küchentisch, gerade zwischen einer leeren Hühnersuppendose und dem Schrotgewehr, nach dem es gerade grabschte und sich offensichtlich köstlich amüsierte. Das Kind gluckste, brabbelte und sabberte vor sich hin. Es wäre ein Freude gewesen, wenn es bei Mama und Papa glucksen, brabbeln und sabbern würde – und diese nicht irgendwo tot herumliegen und einigen Kriminalbeamten zu denken geben würden. Es fühlte sich offensichtlich wohl, obwohl es von niemand beachtet wurde, obwohl ich versuchte ES zu ignorieren und IHN böse anzustarren. All das interessierte das Kind – sie hieß übrigens Mary – nicht.

Mir war, mal wieder, schlecht. Wie sollte ich aus dieser Lage je wieder herauskommen? Was sollte ich mit Mary anstellen? Und wieso konnte dieser blöde Wolfsmensch nicht einfach „PLOP“ machen und verschwinden und mit ihm diese Hütte, der Wald, die Whiskyflaschen und Hühnersuppendosen. Glaubte er tatsächlich, dass er, wenn er das Kind behalten würde, ein besseres Leben hätte. Abwechslung – Ablenkung – Freude am Leben? – Für wie lange?

„Für wie lange?“ fragte ich Ihn, noch bevor ich mir klar war, was ich da sagte. „Ich meine, du ziehst dieses Kind auf, es wird erwachsen, danach hat es wahrscheinlich enorme psychische Störungen, wird älter und stirbt… – und dann? Willst du dir dann das nächste Kind holen? Oder gleich ein Kinderheim aufmachen?“
Er sprang auf und stand nun drohend und knurrend vor mir. Ich schluckte, ließ mich aber nicht beirren. Was wollte er mir schon antun? Mich fressen? Wohl kaum!
Also sprach ich weiter:
„Ich meine, was willst du wirklich? Was ist dein wahrer Wunsch? Ich meine, willst du wirklich Kinder großziehen? Das wäre doch auch nur eine Episode, ein kleiner Abschnitt in deinem schier endlosen Reigen von Lebensjahren. Das kann doch nicht dein Wunsch sein, oder? Du versuchst Immer weiter und weiter dir Spannung und Glück zu ergattern,…nur um dann festzustellen, dass auch der nächste Wunsch keine Freude bringt…“ Jetzt kam ich so langsam in Fahrt.
Doch da stiegen ihm Tränen in die Augen, er gab ein leises Winseln von sich, schluckte und setzte sich.
Na toll! Wieder aller Wind aus den Segeln. Wie soll man einem weinenden Wolf die Leviten lesen?

Er hob schluchzend seinen Kopf und sagte:
„Ich will das, was jeder will, ich will nur das was jedermanns Recht ist: Ich will sterben. Jeder der Götter hat sich über kurz oder lang auf die eine oder andere Art aus dem Leben verabschiedet… …weil sie es satt hatten und weil sie es konnten. Nur ich nicht, nur mir hat man das Recht genommen zu sterben.“

„Alle Götter?“ fragte ich erstaunt.

„Naja, bis auf einen“ gestand er „aber ob der noch zählt, weiß ich nicht. Lange macht der es auch nicht mehr…“

„Und du kannst nicht sterben?“

„Nein.“

„Weil du kein Gott bist?“

“Wenn du so willst. Mir würde auch das Leben eines Käfers genügen, um zu sterben“

„Aber, wenn Götter sterben können, wo kommen sie dann her?“

Er sah mich verständnislos an.
„Ich meine, wenn sie sterben, dann müssen sie doch entstanden sein, oder? Ok, sie haben sich damals vermehrt wie wir, wenn stimmt was ich gelesen habe. Aber wie sind sie entstanden? Doch nicht so wie wir, oder? Die hatten doch keine Evolution? Wenn sie nicht aus dem Viechzeug entstanden sind, ich meine, aus Amöben, Fischen, Echsen, Säugetieren und so weiter, wo komme sie dann her? Wie sind sie entstanden? Wenn es sie so offensichtlich gibt.“

Er sah mich an, als sei ich bekloppt. Als habe er es mit einer Frage zu tun, die nur ein Kleinkind stellen konnte und die aus dem Munde einer erwachsenen Frau klang, als frage sie nach ihrem Schnuller. Dann grinste er, als habe er verstanden und murmelte:

„Na ja, es gibt da einen, der behauptet er hätte die Menschen geschaffen, und alles drum herum auch…“ Ich sah ihn zweifelnd an. „Ok, das war seine erste Lüge. Götter entstehen durch Glauben. Wenn es jemanden gibt, der an sie glaubt und sie anbetet, dann werden sie zum Gott. Es ist zwar ein bisschen komisch, aber nicht die Götter waren zuerst da, sondern die Gebete und der Glaube an sie und wenn es jemanden gab, ich meine einen Menschen oder so, an den geglaubt wurde, dann wurde er zum Gott. Es steht sogar in eurer Bibel.“

Ja, er hatte Recht. Dort stand es. Ich erinnerte mich:

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen.“ (Johannes 1 Vers 1)

„Naaa dann,“ sagte ich gedehnt „…dann, musst du ein Gott werden, das ist klar.“

Und wieder dieser Gesichtsausdruck. Als habe er es mit eine Minderbemittelten zu tun. Er gab sich wirklich alle Mühe mir auf die Nerven zu gehen.
„Man kann nicht einfach GOTT werden!“ lachte er höhnisch. „Es muss geglaubt und verehrt und gebetet werden…“

„Aha!“ Rief ich, sprang auf und fuchtelte ihm oberlehrerhaft mit meinen ausgestreckten Fingen vor der Nase herum. „Du schließt also nicht aus, dass du einer werden könntest?“ Seine Augen verfolgten meinen wedelnden Finger.

„Na ja,“ meinte er, noch immer gingen seine Augen hin und her „formal wäre das schön möglich.“ Lykaon stand auf, goss sie etwas von seinem schier unendlichen Whiskyvorrat in eins der schmutzigen Gläser und nahm einen tiefen Schluck „Nur werde ich wohl kaum jemanden dazu bringen, mich für verehrungs- und anbetungswürdig zu halten. Die sperren mich ein, die ziehen mir meine Haut ab, aber anbeten werden die mich wohl kaum…“

„Oh,“ sagte ich, „wenn es nur darum geht, da hätte ich wohl eine Idee…“


Nun will Lykaon er also Gott werden,

Wird das gelingen?

Wird man seinen Glauben nun nicht mehr nur an eine Zukunft, sondern auch an einen
Wolf verschwenden können?

Wird Rotkäppchens Schwester eine Hohepriesterin?

Und wenn ja, wird es wilde Riten, Tänze um Lagerfeuer und Menschenopfer geben?

All das in wenigen Wochen oder morgen in diesem Blog

Rotkäppchens Schwester V – was bleibt

 

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27. Dezember 2006 - 20:05

Rotkäppchens Schwester III – Mein ist die Rache…eventuell

Ok, er hatte nicht gesagt wie lange er wegbleiben würde. Er war auch nicht dazu verpflichtet. Er wusste auch sicher nicht, wie lang er benötigen würde, um meine Schwester abzuknallen…
Aber nun war er schon seit anderthalb Tage weg und ich hatte keine Ahnung, wie ich aus dieser verdammten, nach Hund stinkenden, dreckigen Hütte nach Hause, oder in sonst irgendeine Zivilisation finden konnte!

… Ich musste nicht verhungern – es waren genügend Konserven da…
… Hühnersuppe – dieser Wolf ernährte sich offensichtlich von Hühnersuppe in Dosen…
… Es ist schon komisch. Da hört man so viel Schlechtes über Wölfe, und Werwölfe im Speziellen, dann lernt man einen kennen (allein, dass man einen Werwolf kennen lernen kann, ist absurd) und der ernährt sich nicht von Menschenfleisch, wie man gemeinhin annehmen würde, sondern von Hühnersuppe…
…Gut, er ist unsterblich, so gesehen muss er sich garnicht ernähren…
…Vielleicht bewahrt er diese Dosen auch nur für Besuch auf – falls dieser Hunger bekommt…

Ich fing an, ziemlichen Unsinn zu denken. Es wurde also tatsächlich Zeit, dass er zurück kam, damit ich nicht eigenartig wurde…
Kaum hatte ich das zu Ende gedacht, stand er – wie bestellt – in der Tür der Hütte.
Er sah anders aus, als Vorgestern. Das Wort „angezogen“ trifft es nicht ganz, kam seinem Zustand aber recht nahe.
Er schien wieder eine Haut zu haben, auch wenn sie seinen Körper nicht vollständig bedeckte. Außerdem sah sie irgendwie „übergestülpt“ aus. Sie knitterte an den falschen Stellen und schlug, an anderen, eigenartige Wellen. Kurz, das Wort „angezogen“ traf sein Aussehen tatsächlich sehr gut.

Hatte er wirklich meine Schwester und ihren Mann gekillt und dann gehäutet? Wenn dem so war: hatte er nun die Haut des Jägers an?
Es musste dessen Haut sein und nicht die ihre, denn sie war stark behaart. (“behaart” meint natürlich nicht Rotkäppchen, sondern die Haut des Jägers…)
Entsetzten umfing mich und ich fühlte, auch wenn das nicht meine Art ist, dass ich einer Ohnmacht nahe war.

Er kam in die Hütte, sah die geöffnete Hühnersuppendose und sagte im Plauderton: „die ist gut, nicht? Ich habe viele Marken durchprobiert, aber die von ‚Erasco’ ist die beste…“
Bei diesen Worten mussten mir wohl meine Gesichtszüge stark entglitten sein, denn sein erwartungsvoller Blick verwandelte sich in eine erschreckte Fratze.
Dann sah er recht lange, wie beschämt, auf seine Füße und dachte offensichtlich nach. Schließlich hob er abwehrend die Hände und sagte im flehentlichen Ton: „es ist nicht so wie du denkst, ehrlich…“
„die beiden sind also nicht tot?“ fuhr ich ihn an.
„…nun…irgendwie…doch, schon…“
„…und das da“, ich zeigte auf seinen Bauch, „ist nicht seine Haut?“
„NEIN, NEIN! Natürlich nicht!“ entgegnete er entsetzt, „das wäre ja ekelhaft, was denkst du von mir?“ dabei sah er mich an, als sei ich irgendwie eigenartig. Obwohl er doch noch vor kurzer Zeit behauptete mir meine Haut rauben zu wollen.
„Das ist meine Haut.“ Sprach er mit zittriger Stimme weiter, „Sie hing an der Wand des Wohnzimmers. Direkt überm Kamin… …leider war sie schon etwas trocken…” er zupfte etwas unbeholfen an einer Knitterfalte. „Aber…aber das gibt sich wieder, sie wird wieder weich und wächst wieder an…“ sagte er schließlich und lächelte schief (soweit man mit einem, nur halb mit Haut bedeckten Gesicht schief lächeln kann).

Ich verstand nicht, was er mir damit sagen wollte. Hatte er sie nun umgebracht oder nicht?
„Ich glaube, ich muss das näher erklären“, sagte Lykaon, setzte sich zu mir an den Tisch. Er begann seine Geschichte, als ob es mich beruhigen würde, mit seinem Weg zum Dorf:
„Zuerst fiel es mir sehr schwer, mich im Wald zu orientieren. Ich war zu besoffen um einen Weg von einem Bach unterscheiden zu können.
Irgendwann nüchterte ich aus, lief nicht mehr ständig gegen Bäume und fand letztlich den richtigen Weg ins Dorf.
Bis dahin war meiner Wut aber schon wieder so weit abgekühlt, dass ich niemanden mehr etwas antun wollte. Dennoch meinte ich, meinen Gang vollenden zu müssen, auch wenn ich sehr wahrscheinlich unverrichteter Dinge wieder abziehen würde.

Ich stahl also von einem Bauernhof einen langen Mantel, der auf einer Wäscheleine hing, um mit meinen Fellflicken zu sehr aufzufallen. Dann begab ich mich zum Haus des Jägers.
Ich kannte es von meinen Streifzügen: Ein kaum zu übersehendes kleines, graues Haus, ein bisschen abseits. Er hatte es mit Totenköpfen von Hirschen und Wildschweinen geschmückt.“
Letzteres klang, als würde er die Worte auf den Boden spucken.
„Es wurde langsam dunkel, so dass ich keine Schwierigkeiten hatte, mich im Schutze der Dunkelheit an das Haus heranzuschleichen.
Schließlich fand ich den Weg zur Terrasse, ging hinauf, bis direkt vor die Terrassentür. Dahinter befand sich das Wohnzimmer. Die Tür stand sperrangelweit offen und ich wunderte mich über diese offene Tür. Immerhin ist es Winter, es hatte geschneit und es war Nacht.

Zuerst dachte ich, dass Einbrecher sich Zugang verschafft hätten, denn das Wohnzimmer sah aus, als wäre etwas explodiert. Überall lagen Dinge herum, Dinge die in einem Wohnzimmer eigentlich nichts zu suchen haben: Kleidung lag auf dem Fußboden, Suppenschüsseln und Teller waren kreuz und quer im Raum verteilt. Dazwischen Kuchenteller und Spielzeuge. Ein Bild an der Wand hing schief und das Glas was zersplittert. Die Türen des Schrankes standen offen. Auf dem Tisch – eine schmutzige Decke bedeckte ihn teils und hing teils auf dem Boden – stand ein zerstörtes Radio und auf dem Sofa lagen Bücher auf eine Art und Weise verteilt, wie man Bücher einfach nicht verteilt: Die Seiten waren geknickt, und die Buchrücken gebogen.
Dann hörte ich Geschrei.
Es klang, als würden sich zwei Menschen gegenseitig den Gar ausmachen wollten. Ich stürmte in das Haus. Das Geschrei kam aus der Küche. Ich rannte dorthin und sah gerade noch, wie der Jäger Rotkäppchen eine gusseiserne Pfanne auf den den Schädel schlug und Sie auf ihn mit seinem Jagdgewehr schoss.
Der Schuss gellte, die Pfanne schepperte und beide fielen mausetot zu Boden.
Ich konnte nichts tun, außer zusehen.“

Ich wollte Lykaons Worten keinen Glauben schenken, aber warum hätte er mir eine derartige Geschichte erzählen sollen? Immerhin war er ein Werwolf und hatte, gleichsam von Natur aus, die Berechtigung die beiden zu töten. Natürlich, er war ein Feigling. Dennoch, solch eine bescheuerte Geschichte konnte er sich doch kaum ausgedacht haben. Dazu benötig man ein Art von Phantasie, die Lykaon nicht hatte.

Lykaon fuhr fort:
„Ich stand vor den Leichen und konnte es nicht glauben. Sie hatten sich einfach gegenseitig umgebracht.
Wenn ich nur eine Minute früher da gewesen wäre, dann hätte ich diesen Mord verhindern können. Ich weiß, ich hatte selbst vor, sie zu töten, aber auf diese Art… das war irgendwie unwürdig.“
Er schwieg und wiegte seinen Kopf hin und her.
„Na ja, und dann nahm ich das Fell und lief nach Hause, denn wenn man mich dort gesehen hätte, wäre jedem klar gewesen, wer die Schuld an dem Massaker trägt.“

„Und was wurde aus dem Kind der beiden?“ fragte ich.

„Oh, äh ja, das Kind. Ja, äh, das war auch da.“
Er sah mich verzweifelt an.
„Ich vergaß zu erwähnen, dass es in einer kleinen Babyschaukel auf dem Wohnzimmertisch lag?“

Ich nickte vorsichtig.

„Oh, ja…, dann vergaß ich wohl auch zu erwähnen, dass es, die ganze Zeit über, herzerweichend weinte?“

Abermals musste ich nicken.

„Hm, ha, ich denke, ich habe dann wohl auch unerwähnt gelassen, dass das Baby, weil ich es nicht übers Herz brachte, es dort einfach liegen zu lassen, ich meine es weinte und, ich bin ja irgendwie auch ein Mensch.“

Ich wies darauf hin, dass sein letzter Satz weder vollständig noch verständlich war.

„Och du machst es mir aber schwer. Ich habe es mitgebracht. Und es steht vor der Tür! So, jetzt weißt Du es!“


Wieder ein Blog vorbei!

Was heißt mitgebracht?:
Hat er es aufgegessen? Schließlich weiß jeder, dass kleine Babys wie Hühnchen schmecken.
Wie ist dann „es steht vor der Tür zu“ verstehen?

Wird der Wolf mit Blaukäppchen eine Familie gründen?

Werden sie glücklich?

Stimmt das alles überhaupt?

Warum schreibe ich solch einen Quatsch eigentlich?

Rotkäppchens Schwester IV – was nun?

 

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16. Dezember 2006 - 22:09

Rotkäppchens Schwester II – Wer sich mit dem Wolf einlässt

Da saß ich nun in seiner Hütte und hörte mir seine Geschichte an. Er erzählte mir, dass er einst König der Arkadier war und seine Söhne dem Zeus Menschenfleisch als Mahl vorsetzten, um diesen als Gott zu enttarnen. Er schilderte mir, wie Zeus, darüber erzürnt, sein Söhne tötete und ihn, weil es seine Söhne waren, in einen Wolf verwandelte.
Er erzählte weiter, wie er sein Schloss, seine Stadt und schließlich sein Land verließ, weil man ihn verfolgte, weil man ihm als Wolf nicht zutraute König zu sein, und, weil man einem Wolfsmenschen grundsätzlich misstraute. Er sprach darüber, wie sein Leben jeden Wert verlor, weil niemand ihm noch Wert beimaß.
Zuletzt, schloss er seine Autobiographie ab, habe er seine Zeit größtenteils in den Wäldern zugebracht und selbst dort lebe er nicht ungefährdet, wie letzteres Treffen mit Rotkäppchen beweise.
Auch wenn man von ihm nicht als eine „vom Aussterben bedrohten Rasse“ sprechen könne, fühle er sich nicht gerade unbedroht.

Aus alledem ließ sich verstehen, dass Lykaon dem Zeus offensichtlich noch immer grollte. Er tat das gar nicht mal, weil er seine Söhne tötete oder weil er ihn in einen Wolf verwandelte, sondern vielmehr wegen der „Nebenwirkung“ des Fluches. Der Fluch hatte zusätzlich bewirkt – und Zeus hatte sich wohlweißlich darüber ausgeschwiegen – dass Lykaon das Dasein eines Unsterblichen führen musste. Unsterblichkeit, so Lykaon, sei kein Segen, sie sei vor allem eins: Langeweile!

„Nur die Möglichkeit zu sterben und nicht nur die Option, sondern das Wissen, eines Tages auch tatsächlich tot zu sein, sind der Garant, dass man sich nicht langweilt. Nur dadurch gibt es Dinge die interessant sind, weil man annimmt, sie eventuell nicht noch einmal zu erleben zu können…
… und weil man sie zum ersten Mal erlebt
… und weil man keine Zeit zu verlieren hat….“

Zum Schluss stellte er ein wenig traurig fest, dass die Dinge, die er zum ersten Mal erleben würde, so langsam rar würden…

„Langsam“ ging er mir mit seiner Predigt auf die Nerven und langsam nahm ich an, dass seine ganzen Geschichten ausschließlich dazu dienten, sein Vorhaben – mich zu töten – hinauszuzögern. Ganz an der Oberfläche seiner Seele schien er ein außerordentlicher Feigling zu sein. Kaum zu glauben, ein mehrere tausend Jahre alter Werwolf, der sich als Angsthase entpuppte.

Kaum hatte ich das gedacht, griff er auch schon zur Flasche.
Vielleicht hatte er meine Gedanken gelesen, aber ich glaube, sie waren nicht der Grund. Lykaon zog die Flasche mit den Worten „…hab ich mal gekauft und dann vergessen“ unter seinem Bett hervor. Ein Flasche Single Malt Whiskey, dem Etikett zufolge, über 70 Jahre alt.
„Wie kann man eine 70 Jahre alte Flasche Whiskey unterm Bett vergessen?“ fragte ich und bekam die fast schon erwartete Antwort: „Als ich sie kaufte, war der Whiskey noch ganz jung“ und „…ich glaub’, da müssen noch zwei oder drei weitere Flaschen sein…“
Es war ein Flasche, wie ich sie noch nie gesehen habe, dickwandig braun und ungleichmäßig geformt. Wahrscheinlich stammte sie aus einer Zeit, in der man Flaschen noch mit dem Mund blies, entschied ich.
„Nun ist sie wohl recht alt“, sagte Lykaon nachdem er meinen Blick offensichtlich nicht deuten konnte. „Aber ich glaube, das schadet echtem Whiskey nicht.“ Er holte zwei, ebenso alt aussehende, Gläser aus dem Schrank hervor und schenkte uns ein.

Es schmeckte rauchig, malzig und sehr alkoholisch.

Um diesen Whiskey seinem Zweck zuzuführen, brauchte man keine ganze Nacht, man benötigte lediglich ein Glas voll und zehn Sekunden, um es zu leeren. Danach war man augenblicklich betrunken.
Das machte weder ihm noch mir etwas aus. Ganz im Gegenteil, wir befanden uns in einer Situation, die geradezu danach verlangte, betrunken betrachtet zu werden:
Eine junge (wie ich meine, hübsche) Frau, zuhause bei einem gehäuteten Werwolf, der sich nicht entschließen kann, diese junge (hübsche) Frau für die Taten ihrer Schwester (und deren Ehemann) zu töten, weil er sie anscheinend mag. By the Way, sagte ich schon, dass „gehäutet“ wörtlich zu nehmen ist? Also, ein Wolf, der nicht in der Lage ist, diese junge hübsche Frau anstatt ihrer Schwester zu töten und ihr aus diesem Grunde seine Lebensgeschichte erzählt. Zu allem Überfluss kommt hinzu, dass sie, weil sehr klug, all seine Ausflüchte erkennt – und er, weil hellhörig, all das in ihren Gedanken liest. Wenn das kein Grund zum Trinken ist, dann gibt es keine Gründe, die dafür sprechen.

Nach dem ersten Glas verstanden wir uns schon besser, nach dem zweiten benötigten wir ein drittes, um Brüderschaft zu trinken (den Kuss ließen wir aus) und nach dem vierten ging alles weitere sehr schnell.
Zumindest erschien es mir schnell zu gehen, denn wenn man betrunken ist – und ich war sehr betrunken – geschieht alles als bewege sich das Leben in einem zähen Brei aus Zeit. Zwischen schnell und langsam kann man kaum noch unterscheiden und man muss sich die Geschwindigkeit und die zeitliche Abfolgen durch Schlussfolgerungen erschließen. So weit ich es beurteilen kann, würde ich auf „die Zeit verging schnell“ tippen, denn ich konnte weder eingreifen, noch über das nachdenken, was Lykaon sagte, bevor er das Haus verließ. Er sagte:
„…man sollte die ganze Bagage abknallen…“ griff abermals unters Bett und zog ein Schrotgewehr und eine Tasche (in der wahrscheinlich Kugeln waren) hervor. Er warf sich die Tasche über die Schulter und hielt auf die Tür zu. Als er die Hütte verlassen wollte, stieß er hart mit der Schulter gegen den Rahmen, dessen Position er, betrunken wie er war, wohl falsch eingeschätzt hatte. Ein nasser dunkler Fleck blieb an der Stelle zurück, wo eben noch seine Schulter anschlug. Er jaulte wölfisch auf und grollte aus tiefster Kehle: „was können die mir schon anhaben…“ drehte sich um, wankte zum Tisch, goss sich ein Glas ein, stürzte es herunter. Dann ein weiteres. Er ging abermals zur Tür, stieß abermals gegen den Rahmen, blieb aber so stumm als habe er nichts bemerkt, taumelte ein paar Schritte zurück und trat dann, das Loch in der Wand endlich treffend, ins Freie.

Zwei Sekunden später – oder Zwanzig Minuten, ich konnte es, wie gesagt, kaum mehr einschätzen – sah ich seinen Kopf wieder in der Tür, seine Hand zeigte mit hautlosen Fingern und ihren langen gebogenen Krallen auf mich, als er, mit einer Kraft, die mir schier den Atem raubte, sagte:
„du bleibst wo du bist, bis ich wieder komme…Blaukäppchen“
Dann drehte er sich um und ging.

Was nun?

Wird der Wolf seinen Plan durchführen können?

Oder, zieht er frühzeitig den Schwanz ein, bietet sich Rotkäppchen als Hund an und fristet sein Dasein bei Chappi und Gassi gehen?

Wir Rotkäppchens Schwester, allein in der Hütte des Wolfes, zur Alkoholikerin und damit der Name Blaukäppchen Programm?

Fängt sie an aufzuräumen?

All das kann man in einem der nächsten Blogs erfahren.
Bald oder in wenigen Wochen…

Rotkäppchens Schwester III – Mein ist die Rache…eventuell

 

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4. Dezember 2006 - 22:11

Rotkäppchens Schwester

Damals war es Rotkäppchen, die in den Wald musste. Rotkäppchen hatte Glück. Sie hatte das Glück, dass sie, als sie schon gefressen im Leib des Wolfes war, von einem Jäger befreit wurde. Dieser Jäger schnitt damals dem vom Fressen träge gewordenen Wolf den Bauch auf und befreite damit Rotkäppchen und die Großmutter.
Warum der Jäger dem Tier dann noch Steine ihn den Bauch packen musste, verstand ich nicht. Der Wolf wäre sowieso an solch einer schweren Wunde gestorben.
Aber sie „taten ihm Steine in den Bauch, der Wolf wachte auf und stürzte sich Tot, dann zog der Jäger im den Pelz über die Ohren, und wir tranken mit der Großmutter den Wein.“
So erzählte Rotkäppchen es mir damals. Heute glaube ich, dass sie alles getan hatte, was der Jäger wollte, nur um diesem Kerl zu gefallen. Wenig später wurde sie schwanger, heiratete (schnell genug. damit es niemand merkte) den Jäger und führte seitdem eine mehr schlecht als rechte Ehe.

All das fand ich schwierig. Denn ich verstand damals weder, warum man schwanger wurde, noch wie man sich an einen Kerl hängen konnte, der derart ekelhaft war. Ich verstand nur, dass Rotkäppchen völlig anders und sehr komisch wurde, nachdem sie das Abenteuer im Wald überstanden hatte.

Nun lief ich selbst durch den Wald und meinte schon bald bei unserer Großmutter ankommen zu müssen. Ich ging schon lange des Weges und es wurde zunehmend dunkler. Der Wind hob an und blies stärker, außerdem hatte es angefangen zu schneien. Da der Weg ein sehr breiter Waldweg und dadurch, trotz der Schneewehen, leicht zu erkennen war, machte ich mir keine Sorgen und ging weiter.

Egal wie schaurig die Geschichte mit dem Wolf war, irgendwie tat mir das arme Tier leid – aber dass erzählte ich damals niemandem. Er war tot und das war das Wichtigste, denn ein toter Wolf fraß keine Mädchen, auch wenn er zuvor gequält worden war. So ließ ich mein Gedanken schweifen.

Dann hörte ich den Schrei. Kurz. Laut. Markerschütternd.
Eine Schneeböe drückte sich mir in den Rücken und ich erschauderte. Ich stolperte, von der plötzlichen Wucht des Windes überrascht, vorwärts und wäre beinahe gefallen, strauchelte jedoch nur und konnte meines Weges weitergehen. Ich zog meinen Umhang fester um mich. Schritt um Schritt setzte ich voreinander und versuchte keine Gedanken an den Schrei zu verschwenden. Eine andere Wahl hatte ich nicht, denn mein Zuhause war weit und das Haus der Großmutter musste ich bald erreicht haben. Also ging ich vorwärts.

Wieder ein Schrei. Dieses mal wie ein Heulen. Es war näher gekommen. Dann wieder ein Schrei, ein Ächzen. Ich hörte Füße, Füße die schnell und hart auf den Boden stießen, um mich waldwärts zu überholen. Und Atemstöße, die klangen, als sei ihr Besitzer schwer verletzt. Wie ein angeschossener Wolf, dachte ich. Und ich begann schneller zu gehen. Es schleppte sich offensichtlich in meine Richtung.

Dann sah ich den Mann nahe vor mir auf dem Wege stehen. Er erhob sich, als sei er eben noch auf allen Vieren gelaufen. Nun regte er sich kaum noch. Er stand einfach da. Offensichtlich darauf wartend, dass ich näher kommen würde. Er war es, der eben schrie. Er war es auch, der rannte, und er wartete nun auf mich.

Obwohl der Mann sich kaum auf den Beinen halten konnte, – das sah ich nun, denn er stand wankend da und sah mich aus gelben, fast leuchtenden Augen an – war er doch gleichzeitig geballtes Leben. Ich wusste, wenn ich zu fliehen versuchte, wäre es für ihn nur ein kleiner Sprung, ein Biss und ich wäre tot.

Also trat ich näher.

Als ich seine Gestalt aus der Nähe betrachten konnte, sah ich, dass er über und über mit Fellen eingehüllt war. Felle, die grob zusammengenäht waren und diesen Mann mehr schlecht als recht vor dem Wind und dem Wetter schützen konnten.

Er starrte mich an.

„… Du… bist ihre Schwester…“ sagte der Mann mit einer Stimme, die weniger laut war als direkt in meinem Kopf zu entstehen schien. Es war, als würde man sich an sie erinnern statt hören.

Ich weiß nicht warum, aber ich ging auf den Mann zu und sagte: „Ja, das bin ich. Warum willst du das wissen?“
„Weil ich dein Leben will“, raunte mir zu. „Weil deine Familie mir meine Haut genommen hat, will ich die deine.“

Eigentlich hätten mich diese Worte verstören müssen, aber das genaue Gegenteil trat ein. Es war, als wollten sich in diesem Augenblick die Vergangenheit und die Gegenwart gerade rücken. Eine Art von Ruhe umgab mich.
Hatte Rotkäppchen sich, im Angesicht des Todes, damals auch so gefühlt? „Nein“ sagte der Mann. „Nein, deine Schwester ging quiekend und kreischend auf mich los, und wollte meine Haut. Sie hätte keine Todesangst vor mir haben müssen, aber sie war nicht gut im Zuhören!“ das letzte Wort bellte er geradezu in den Wind.

„Dafür redet sie sehr viel“ rutschte es mir heraus, noch bevor ich mich dagegen wehren konnte. Mein Gegenüber quittierte diesen Satz mit einem rasselnden Geräusch. Dieses Mal kam es direkt aus seiner Kehle. Es sollte wohl ein Lachen sein – das machte das Geräusch nicht minder unangenehm und die Situation nicht weniger grausam.

„Komm“, sprach der Mann, „begleite mich ein wenig.“
Mir bleibt wohl auch nichts anderes übrig, dachte ich bei mir, und wie von einem Echo hallte es im meinem Kopf wieder: „Da hast Du vollkommen recht“

Nach einer Weile des Gehens, er führte mich geradewegs in den Wald hinein, begann er unvermittelt zu sprechen: „Hast du dich den nicht gewundert, warum die drei, den Wolf erst aufschlitzten, dann mit Steinen im Bauch töteten und ihm obendrein noch das Fell über die Ohren zogen. Eigentlich hätte eins doch reichen sollen.“

„Nun, “ meinte ich etwas unbeholfen, „…es erschien mir immer sehr grausam und ich fand, es wäre brutal, aber ich dachte mir, dass ein starker Wolf so eine aufgeschnittenen Bauch…“

Da wandte sich mein Begleiter so abrupt um, dass er strauchelte und beinahe fiel und schrie: „KANN ER NICHT! ER KANN WEDER DAS EINE, NOCH DAS ANDERE ÜBERLEBEN!“
Wie Kirchenglocken dröhnten seine Worte in meinem Schädel. Er fügte, fast traurig, hinzu: „Ein Wolf ist tot, wenn man ihm dem Bauch aufschlitzt, weißt du das denn nicht? Ein Wolf stirbt aber was wenn man kein Wolf ist…“ Seine Stimme wurde nun mit jedem Wort leiser, das letzte war kaum mehr zu verstehen.

Schweigend gingen wir eine Weile nebeneinander des Weges.

„Du bist also kein Wolf?“ fragte ich irgendwann, als ich die Stille nicht länger ertragen konnte „…und der Jäger und das Rotkäppchen wussten dass?“

„Natürlich bin ich kein Wolf und natürlich wussten sie das. Ich bin zumindest kein normaler Wolf. Lykaon ist mein Name und er, der mich erschaffen hat, war nicht so grausam wie deine Schwester und ihr Mann. Er tötet zwar alle meine Söhne, aber sie hatten es verdient und er verwandelte mich in diesen Wolf – aber Sie zogen mir, nachdem sie meine Bauch geschlitzt und ihn mit Steinen gefüttert hatten und nicht wussten, wie mich töten, die Haut bei lebendigem Leib ab und liefen davon.
Ich kann aber ohne Haut weder leben noch sterben, also werde ich die deine nehmen, um leben zu können“

Gemeinsam gingen wir in den dunklen Wald hinein.

Was wird nun geschehen?

Wird der Wolf sie töten, ihr Fleisch essen und sich in ihre Haut hüllen, als transsexueller Lykanthrop.

Bringt es der Wolf nicht übers Herz, dieses nette Mädchen zu töten und kleidet sich weiterhin mit den Häuten totgefahrener Katzen und Hunde?

Werden der Wolf und Rotkäppchens Schwester eine Allianz bilden, gegen den bösen Jäger und dessen Frau?

Wird diese Geschichte jemals ein Ende finden?

Vielleicht werden wir es niemals erfahren, vielleicht im nächsten Blog…

Rotkäppchens Schwester II – Wer sich mit dem Wolf einlässt…

 

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24. November 2006 - 22:13

vom Überlebenswillen des Perlhuhns

Christian Morgenstern:
Das Perlhuhn
Das Perlhuhn zählt: eins, zwei, drei, vier…
Was zählt es wohl, das gute Tier,
dort unter den dunklen Erlen? Es zählt, von Wissensdrang gejückt,
(die es sowohl wie uns entzückt):
die Anzahl seiner Perlen.

Im Gegensatz zum Willen zur Macht, den Nietzsche, als einziges der Natur zugrunde liegendes Gesetz, konstatierte, scheint das Perlhuhn (genauer das Helmperlhuhn – Numida meleagris) mit einer außerordentlichen Lebens– oder Todesgleichmut und gleichzeitig mit einem unbändigen Überlebensglück ausgestattet. Viel stärker, als bei jedem Kind vorhanden oder einem Besoffenen beigemessen, ist das Perlhuhn einerseits unglaublich doof und andererseits nahezu untötbar.

Jeder Motorradfahrer kann wahrscheinlich bestätigen, dass er zwar Perlhühner, dösend, tapsend oder auf der Strasse herumirren sah, es aber noch nicht fertig brachte, eines dieser Tiere zu überfahren.

Erinnern Sie sich an die alten Slapstickfilme:
Ein Mann steht irgendwo herum und ist mit irgendwelchen „Dingen“ beschäftigt. Er verbringt seine Zeit mit wichtigen Tätigkeiten wie: Träumen, Frauen hinterher sehen, Zeitungslesen oder auch nur dösig in der Gegend herumstehen.
Als nächstes sieht der allwissende Zuschauer ein Unheil auf ihn zukommen:
Ein Klavier fällt herab, ein Auto ohne Bremsen rast auf ihn zu, ein Bandit versucht ihn, mittels einer Pistole, zu erschießen.

Jedermann denkt, dass es nun aus ist mit dem „Helden“ (in Wirklichkeit denkt das natürlich niemand mehr, denn man kennt solche Filmsituationen und weiß: der Held überlebt). Ich meine diese Filme, in welchen der „Held“ im letzten Moment einen Schritt zur Seite tritt und das Auto ihm nicht schaden kann, er die Zeitung zuschlägt, sich auf den Weg macht und das Klavier trifft ihn nicht, etwas aufhebt und dem Schuss ins Herz entgeht.
Der Held wird wahrscheinlich niemals erfahren, dass er beinahe erschlagen, erschossen oder von einem Auto überfahren wurde.
Noch viel weniger erfahren wird er, dass er an einer bestimmten, unangemessen großen, Zerstörung von Leben oder öffentlichem Eigentums schuld ist. Die Kugel trifft, statt seiner, einen Passanten. Das Klavier erschlägt den gerade aus dem Zoo entlaufenden Löwen, das Auto überfährt zwar nicht den Helden, zerstörte aber durch den beibehaltenen Schwung eine Reihe von Marktständen, stößt einen Maler von seiner Leiter und zu guter Letzt stößt das Auto direkt durch eine Wand in den Tresor der Bank der Stadt, so dass sich jeder an den frei herumfliegenden Geldscheinen bedienen kann. Der Held aber, weiß nichts von seiner „Schuld“ und geht kopfschüttelnd, über so viel Unvernunft der Anderen, durch das Chaos seiner Wege…

Genauso verhält sich ein Perlhuhn!
Bloß lächeln diese blöden Viecher nicht. Zumindest konnte ich noch nicht sehen, ob der viel zu kleine Schnabel an dem viel zu kleine Kopf mit dem viel zu kleinen Gehirn zu einem Lächeln verzogen ist, wenn ich, mal wieder schlingernd, einem Beinahezusammenstoss mit einem Perlhuhn entgangen bin.

Der Witz ist, dass, selbst wenn man seinen Reflexen nicht nachgibt und auf solch ein Tier zuhält, dieser Vogel, kurz bevor er den tödlichen Stoß erhält, den besagten Schritt bei Seite macht. Man selbst schlingert, das Motorrad gerade noch haltend, völlig überrascht von dieser unerwarteten Reaktion, die Strasse entlang. Im Rückspiegel meint man das Perlhuhn davon watscheln zu sehen…

Hat es nicht eben mit dem Kopf geschüttelt?!

 

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22. November 2006 - 21:38

über das Innenleben einer Krähe

Wie denkt eigentlich eine Saatkrähe (Corvus frugilegus) über den Regen?
Am Sonntag fuhr ich eine längere Strecke, mit meinem Motorrad durch den Regen und fühlte mich nass, mies und ungemütlich. Ich hatte nasse Hände und nasse Füße und nach geraumer Zeit wurde mir auch noch kalt kalt!

Irgendwann hüpfte eine Krähe über die Straße.

Später nahmen ein paar weitere Krähen ein Festmahl ein. Dies geschah abermals auf der Strasse: Ein Hase (oder eine Katze oder ein Hund – man konnte es nicht mehr genau erkennen) lag totgefahren dort und wurde den Vögeln zur Mahlzeit.

Diese Vögel hatten eins gemein, sie sahen weder betrübt, noch traurig aus, keiner dieser Krähen schien schlecht gelaunt zu sein und sie hatten anscheinend auch keinen Grund sich über das Wetter zu beklagen.

Das war wieder einmal einer dieser Zeitpunkte, wo sich mir wieder eine dieser Fragen stellte.

Ich meine die Art von Fragen, die man sich besser nicht stellt, da man sowieso keine Antwort bekommt, wenn man sie sich nicht selber gibt:

„Wie fühlt sich eigentlich solch ein Vogel bei diesem Wetter?“

Ich meine das absolut subjektiv: wie erlebt ein Vogel eigentlich die Welt als Ganzes, und, im Speziellen, solch ein mieses, ekelhaftes, schmuddeliges, nasskaltes Wetter, wie es am vergangenen Sonntag stattfand? (auf das tote Tier auf der Straße komme ich in einem anderen Artikel zu sprechen)

Obwohl mir klar ist, dass man sich nur täuschen kann, wenn man versucht, sich in einen Vogel zu versetzen, denke ich, dass man sich dennoch dadurch ein Bild davon machen kann, welch eine Wahrnehmung der Welt einer Krähe, ein Mensch hätte, wenn er anstelle des Vogels wäre. Das ist doch auch was.

Ich finde es nicht leicht, mich sich in einen Vogel zu versetzen, denn erstens, kann ich nicht fliegen – was ich für einen echten Makel halte – und zweitens, ist ein Vogel mit (wie schon indirekt angemerkt) einem völlig anderen Körper als dem meinen und in einer völlig anderen Lebenswelt als der meinen.
Wie also, hätte ich eine Chance, mich in einen Vogel hineinzudenken, ohne auf den Holzweg zu geraten und auch nur das Geringste zu verstehen? Das Ganze, wo ich doch meistens schon Mühe habe, mein menschliches Gegenüber zu verstehen?

Es wird wahrscheinlich nicht funktionieren.
Ich werde mich dennoch in eine Vogel hineindenken, weil ich, verdammt noch mal, wissen will, warum diese doofen Krähen so fröhlich aus der Wäsche schauen, während ich bibbere und friere.

Meinem „Vogelverstehen“ lege ich folgende Hypothesen über die Lebenswelt und das Leben einer Krähe zugrunde:

  1. Eine Krähe besitzt keine Wohnung mit Heizung. (!)
  2. Sie nimmt keine regelmäßigen und ausgewogenen Speisen zu sich.(!!)
  3. Sie hat kein Bedürfnis nach Konversation, (?) (obwohl ich mir da nicht so sicher bin – schließlich ist eine Krähe ein intelligenter Vogel, und führt ein „geselliges“ Leben – diese These ziehe ich also zurück.)
  4. Eine Saatkrähe lebt monogam.

    (Mittwoch, 22.11.2006, 20.22Uhr, http://de.wikipedia.org/wiki/Saatkr%C3%A4he#Fortpflanzung_und_Brut )

  5. Sie isst (auch) Regenwürmer.

Nun, ich denke, diese Prämissen kann man so stehen lassen und mich weiter meinem Ansinnen nähern, die Krähen zu verstehen. Folgendes schließe ich aus den oben genannten Prämissen:

Ein Wesen, das keine Wohnung und keine Heizung besitzt, wird den Unterschied zwischen „Drinnen“ und „Draußen“ nicht kennen und somit, das „Drinnen“ dem „Draußen“ nicht vorziehen (wollen). Also wird ein verregneter Tag, für eine Krähe nicht so unangenehm sein, wie für mich.
Das ist schön für die Krähe.
Zwar wird eine Krähe zwischen „Nass“ und „Trocken“ unterscheiden können, genauso zwischen „Kalt“ und „Warm“, aber eine Krähe ist nicht solchen Temperaturschwankungen, wie der Mensch ausgesetzt und wird, in Folge dessen, die Kälte und Unwirtlichkeit nicht als derart unangenehm wahrnehmen, wie unsereins. Außerdem ist eine Krähe, sozusagen von Natur aus, besser angezogen als wir Menschen. Das bedeutet dann wohl, dass die Krähe sich eventuell etwas besser fühlt, wenn es wärmer ist, aber den Unterschied zwischen nasskalt und sommerlichwarm wird sie nicht derart verspüren, wie ich auf dem Motorrad, mit durchgeweichten Klamotten.

Obwohl eine Krähe sich nicht von regelmäßigen, mit Geschmacksverstärkern versehenen, Mahlzeiten ernährt, wird sie so etwas wie „Lieblingsnahrung“ haben… …zum Beispiel Regenwürmer…
Außerdem denke ich, dass die Funktion des Hungers, bei allen Wesen gleich oder ähnlich sein wird: Hunger ist ein unangenehmes Gefühl, dass befriedigt werden will. Das Wesen (die Saatkrähe) wird bei der Befriedigung, so etwas wie „Lust“ „Glück“ oder einfach „Befriedigung“ erfahren.

Also kann man, denke ich, der Krähe Lust oder lustvolles Handeln unterstellen.

Ich bin mir nicht sicher, ob eine Krähe bewusst Lust provozierende Handlung unternimmt:
Zum Beispiel das Hinausschieben des Hungers, um die Lust der Befriedigung stärker zu erfahren.
Ich bin mir nicht einmal sicher, ob eine Krähe sich, auf irgendeine Art und Weise, bewusst darüber ist, was sie tut, wenn sie ihre Lust befriedigt.
Vielleicht weiß sie aber doch davon und dann funktioniert es bestimmt etwa so:
Eine Krähe hat Hunger und denkt:
„[…] ah, ja, das Gefühl hatte ich neulich schon mal, da haben die kleinen Krabbelkäfer am besten geholfen, aber irgendwie war es viel toller, als ich die dicken Würmer gegessen habe, obwohl ich dann viel längern buddeln und wühlen musste, was ich eigentlich nicht so gerne mache, aber um der leckeren Würmer willen […]“ und so weiter und so fort. (…womit ich – der Autor – nicht unterstellen möchte, dass Käfer besser schmecken als Würmer, oder umgekehrt…). Das bewusste Erleben von Mangel- Befriedigungs- Lustsituationen setzt eine Menge weitere mögliche Handlungen in Bereitschaft, die eventuell zum Zuge kommen (wollen).
Rekapitulierend kann ich annehmen, dass eine Krähe zumindest dem Futter grundsätzlich zugeneigt und einer bestimmten Art von Futter stärker zugeneigt sein wird, auch wenn sie sich dessen (wahrscheinlich) nicht bewusst ist (obwohl ich für letzteres nicht meine Hand ins Feuer legen würde).

Eine Krähe kann andere Wesen „wertschätzen“. Zumindest lebt sie in monogame Beziehungen. Da kann ich den Schluss ziehen, dass sie ein bestimmtes Gegenüber mehr wertschätzt, als andere Artgenossen.
Krähen lassen sich auch an andere Wesen binden als an ihresgleichen.
Das ist dann wohl ein Verweis auf… ja, auf was eigentlich… Krähen lassen sich Binden, also kann man ihnen so etwas wie „soziales Verhalten“ zuschreiben. Ich will soweit gehen und ihnen Zuneigung, und somit eine weitere Art von Gefühlen, unterstellen.

Um das Ganze hier nicht zu lang werden zu lassen, werde ich meine Überlegungen an dieser Stelle unterbrechen und resümieren:

Ein Rabenvogel, genauer gesagt eine Saatkrähe (Corvus frugilegus), ist zu vielerlei Gefühlen fähig. So kann man annehmen, dass sie Hunger hat und ihn stillen will. Das kann ich gut verstehen – ich habe selber ständig Hunger…

Weiter kann man annehmen, dass sie zu sozialen Gefühlen fähig ist. Ich nenne das mal Liebe, in Erinnerung daran, dass man die „Liebe“ des Menschen auch nicht wirklich definieren kann – höchstens als einen neurotischen Zustand, der vom Ungleichgewicht verschiedener Hormone hervorgerufen wird. Warum sollte es so etwas nicht auch bei den Krähen geben.

Außerdem mag eine Krähe Würmer. An einem regnerischen Tag haben Würmer die Eigenart, aus der Erde gekrochen zu kommen, um den Tod durch ertrinken zu entgehen. Krähen müssen sich an solchen Tagen also kaum anstrengen, um sich den Magen vollzuschlagen. Zudem haben Autos längere Bremswege und Autofahrer eine schlechtere Sicht, so dass es gehäuft zu tödlichen Unfällen mit „Kleinwild“ kommt – woran sich die Krähen abermals gütlich tun können.

Ergo:

Ein regnerischer Tag, ist für eine Krähe, wie ein Festmahl mit Freunden, in einem leicht unterkühlten Raum… …Ich glaube aus einer tieferen Freundschaft zwischen mir und einer Krähe wird wohl, aus nahe liegenden Gründen, nichts werden…

In meinem nächsten Beitrag will ich mir über das “Kleinwild”, wie Hase, Katze, Hund und deren Gefühlswelten, kurz bevor sie überfahren werden, Gedanken machen…

 

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12. November 2006 - 21:39

wie es zur Mayonnaise kam…

Manchmal stellt sich mir die Frage, wie bestimmte Dinge in der Welt wohl entstanden sind, beziehungsweise, wie ihre Entstehungs- oder Entdeckungsgeschichte wohl ausgesehen haben mag.

Zum Beispiel sind viele unserer Nahrungsmittel derart komplex, dass sie wohl kaum durch Zufall entstanden sein können. Ein klassisches Beispiel ist die Mayonnaise: Das Verfahren zur Herstellung dieser „kalten Sauce“ ist zwar nicht sehr, aber doch so komplex, dass sie nicht durch „…hups, nun habe ich das Öl in die Eier gegossen…“ erfunden worden sein kann – oder vielleicht doch?

Die Geschichte der Mayonnaise begann – vielleicht – auf der Insel Menorca, im 18. Jahrhundert

Herausfinden lässt sich, dass man die Mayonnaise wahrscheinlich

[...] zu Ehren des Eroberers [Herzog von Richelieu] anlässlich eines Festes die […] kreiert worden sein [soll]. Zumindest beanspruchen die Bewohner Menorcas die Erfindung der „Mahonesa“ für sich. Eine andere Variante lautet, dass die Mahonnese während der Belagerung aus der Not heraus entstanden ist. (Wikipediea; sub voce:„Mayonnaise“; am 12.11.2006 um 14.41 Uhr; URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Majon%C3%A4se)

Ich muss zugeben, dass mir die Geschichte, die Soße sei zu Ehren des Herzogs von Richelieu kreiert worden, nicht gefällt.
Wahrscheinlicher oder zumindest hübscher ist, dass ein Mönch (oder besser ein Einsiedler) auf Menorca unter seinem Olivenbaum saß und sich seine tägliche Portion Eier, gebraten in Olivenöl, zubereiten wollte.
Voller Trübsinn über sein langweiliges Einsiedlerdasein, schlug er zwei Eier in seine Pfanne. Zu spät bemerkte er, dass er vergessen hatte, vorher das Öl in die Pfanne zu geben. Da er (er war nun einmal ein armer Einsiedler) nur ein Gefäß besaß, versucht er es nachträglich in die Pfanne zu tun.
Da das Öl aber nicht obenauf, sondern unter dem Ei seinen Zweck erfüllen sollte, begann er es (wie gesagt, voller Trübsinn und zusätzlich noch in Gedanken versunken) langsam in die Pfanne zu gießen und es eben so langsam unterzurühren. Als sich rührend das Öl in die Pfanne ergoss, musste des Einsiedlers Erstaunen groß gewesen sein, denn das Öl ließ sich nicht unterheben, sondern es veränderte sowohl seine Farbe als auch seine Konsistenz. Der Inhalt seiner Pfanne war nun weiß und cremig.

Braten ließ sich das Ganze allerdings nicht mehr, aber zum Wegkippen war es auch zu schade, denn er war arm und musste essen was er hatte. Also wurde die Not zur Tugend erklärt und aus den rohen Eiern mit Öl eine Sauce.

Es wurden anderen Eier gebratenen (mein Einsiedler hatte glücklicherweise noch eine zwei Eier in Reserve und fand, oh Wunder, dann doch noch ein weiteres Gefäß in seiner unaufgeräumten Junggesellenküche) und mit der Sauce bestrichen.

Meine Lebensgefährtin lehnt jedoch vehement Spiegelei mit Mayonnaise ab „…dass ist ja ekelig…“ und schlägt in ihrer Version vor:
„…er röstet sich ein Brot und tunkt es in die Sauce.“
Das “weitere Gefäß” in der „Junggesellenküche“ hält sie übrigens für „… an den Haaren herbeigezogen…“

Mein alternatives Ende und Kompromiss:
Also schlachtete er seinen „Eierlieferanten“, briet das Huhn kräftig durch, tunkte es in die Mayonnaise und fand das Ganze sehr lecker.
In Ermangelung weiterer Lebensmittel (wer will sich schon ausschließlich von Oliven ernähren – das Huhn hatte ja das Zeitliche gesegnet) ging er in die weite Welt hinaus, wurde Koch, kam zum Hofe und überraschte alle Untertanen und seinen neuen Herzog mit einer pfiffigen Saucenkreation aus rohem Ei und Öl und wurde dessenthalben reich und berühmt!

So wurde, meiner Meinung nach, die Mayonnaise erfunden.

 

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